PREDIGT – ANREGUNGEN FÜR DAS FEST DER UNSCHULDIGEN KINDER
LESUNGEN:
Jes 1
Joh 1,5-2,2
Mt 2, 13-18
Noch während
die Kirche sich über die Geburt Jesu freut, erinnert uns das Fest
der heiligen Unschuldigen Kinder daran, daß Jesus ein Zeichen
ist, dem widersprochen wird. Der Freude über das neugeborene Kind,
das in einer Krippe liegt, folgt sehr schnell das Blutvergießen von
vielen unschuldigen Kindern. Und dies deswegen, weil die Menschen -
wie es der Evangelist Johannes zu Beginn seines Evangeliums schreibt
- die Finsternis dem Licht vorzogen und es darum nicht wollten, sich
diesem Licht zu nähern, als es in die Welt kam. Diese Kinder sind
Märtyrer nicht deswegen, weil sie persönlich ihren Glauben an
Christus bezeugten, sondern vielmehr deswegen, weil sie im
Kreuzfeuer des Widerstands gegen Christus mitgerissen wurden.
Es ist beachtenswert, daß Herodes, der, um Jesus zu töten, dieses
Massaker an den Kindern anordnete, dabei aus Furcht handelte. Wer
würde dieser neue König sein, wie würde dieser König die Herrschaft
des Herodes bedrohen? Diese Überlegungen beherrschten seinen
Verstand mehr als die Wertschätzung der kleinen Kinder.
Eine ähnliche Dynamik ereignet sich heutzutage hinsichtlich der
Tragödien von Abtreibung und Euthanasie. Angst verfinstert unsere
Wahrnehmung der Heiligkeit des Lebens. Für die einen ist die
Schwangerschaft selbst bereits ein Auslöser von Verwirrung, Angst
und Verzweiflung. Für die anderen stellen sich ähnliche Gefühle ein
bei Krankheit oder Hinfälligkeit. Im einen Fall kann es zur
Abtreibung kommen, im anderen zur Euthanasie. Es wurde gesagt, daß
der wahre Gott Gewalt in Leiden, der Götze dagegen Leiden in Gewalt
verwandelt. Es ist diese letztgenannte Dynamik, die bei beiden am
Werk ist: bei Herodes und beim heutigen Massaker an den Ungeborenen,
die Opfer von den Ängsten all derer werden, die nicht wissen, wie
man sie willkommen heißen könnte.
Eine angemessene Weise, um die heiligen unschuldigen Kinder zu ehren
und ebenso den Herrn, für den sie ihr Leben ließen, besteht darin,
die Hand auszustrecken und die eigene Stimme zu erheben, um Hoffnung
in den Herzen der Schwangeren zu erwecken und gleichfalls in den
Herzen der Kranken, damit sie niemals zur Gewalt als Lösung
ihres Leidensdrucks Zuflucht nehmen mögen.
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